
Pressearbeit ändert sich
Die meisten Unternehmen tun es, aber es ist dennoch nicht die richtige Vorgehensweise: Presseinformationen auch über Social Media zu versenden. “Ja, warum denn nicht?” mag sich da manch Pressesprecher fragen, denn schließlich würden die Journalisten auch Social Media für Ihre Recherchen und Veröffentlichungen nutzen. Nun, der Grund ist einfach:
Bisher gilt die Vereinbarung, dass Presseinformationen an Journalisten versendet werden, damit sie die Informationen in ihre Print- oder Online-Medien stellen. Parallel dazu hat das Unternehmen die Presseinformation in die Presserubrik ihrer Website gestellt, wo sie dann jeder einsehen und herunterladen kann. So weit so gut.
Veröffentlicht das Unternehmen die Presseinformation auch in Social Media, dann agiert es selbst als Verlag in der Hoffnung, dass die Friends/Follower die Info nicht nur lesen, sondern auch verbreiten. Dass darunter auch ein paar Journalisten sind, ist eher nebensächlich, da sie nicht anders behandelt werden als ein Kunde oder grundsätzlich Interessierter. Das bedeutet, das Unternehmen tritt zum Journalisten in Konkurrenz. Und einen Journalisten wird es nicht freuen, wenn die Presseinfo, die er gerade auf seine Website stellen will, bereits massenhaft im Web verbreitet wird. Darüber hinaus heißt eine Presseinformation deswegen so, weil man damit die Presse informiert – und nicht die interessierte Öffentlichkeit. Und es macht auch keinen Sinn, die Öffentlichkeit massenhaft in die Pressesektion der eigenen Website zu leiten.
Hier kommt also einiges durcheinander, wie so meist, wenn klassische PR einfach mit Internetkommunikation verknüpft wird. Wenn man als Unternehmen die Öffentlichkeit selbst informieren möchte, sollte man eine andere Form verwenden und auch die Website anders aufbauen:
1. Statt Presseinformationen versendet man einfach News. Die werden anders geschrieben und an alle Zielgruppen wie Social Media aber durchaus auch via Emails (falls man ein solches Distributionssystem etabliert hat) versendet, darunter auch Journalisten. Man hat keine Pressesektion mehr isoliert auf der Website, sondern integriert sie in einen SocialMedia-News-Room, der alles aufführt, was in den Netzen passiert und was man als Unternehmen kommuniziert. Finden die Journalisten die News spannend, werden sie sich selbst an das Unternehmen wenden, um weitere Informationen zu erhalten. Generell aber sollte man mit Journalisten individuell agieren, denn im heutigen Überlebenskampf der Printmedien ist jeder Journalist für Exklusives dankbar.
2. Will man nicht auf Presseinformationen verzichten, dann sollte man diese jedoch radikal konservativ verwenden, also sie ausschließlich an die Journalisten senden und eine Presseseite auf der Website aufbauen, die einzig und allein auf die Bedürfnisse der Journalisten zugeschnitten ist. Social Media und Pressearbeit wird also klar getrennt.
Man muss sich jedoch klar sein, dass letzteres einzig und allein der Übergangsphase geschuldet ist, in der wir uns befinden. Denn es ist absehbar, dass die Printmedien auf Dauer verschwinden und sie durch elektronische Formen ersetzt werden, die ich zu jeder Zeit, an jedem Ort und mit jedem elektronischen Medium konsumieren kann. Daher glaube ich, dass die erste Form auch heute schon geeigneter ist. Schon jetzt sollte man die Kommunikation einüben, die zukunftssicher ist, und hier seine Erfahrungen sammeln.
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